Wo liegen das Potenzial und eventuelle Herausforderungen im Bereich Intelligente Stromnetze?
Mit dem Begriff "intelligente Stromnetze" (Smart Grids) wird ein komplexes Zusammenspiel im Bereich der Verteilung und Nutzung elektrischer Energie bezeichnet. Grundsätzlich sind die intelligenten Netze ein moderner Ansatz, Verbrauch und Produktion elektrischer Energie in Einklang zu bringen.
Wieso müssen Produktion und Verbrauch überhaupt in Einklang gebracht, ja sogar synchronisiert werden? Der Grund liegt darin, dass elektrische Energie zwar eine sehr hochwertige Energieform ist, was ihren Einsatz betrifft. Man kann mit Strom heizen, Dinge bewegen oder Suchanfragen im Internet durchführen. Leider kauft man sich diese vielen Vorteile jedoch mit dem Nachteil ein, dass elektrische Energie nur sehr schwer speicherbar ist. Batterien enthalten sehr kleine Mengen chemische Energie, die in elektrische Energie umgewandelt werden kann: 1500 mAh eines modernen AA-Akkus entsprechen in etwa 0,002 kWh, in einer Auto-Starterbatterie sind etwa 0,1 kWh. Auch im großtechnischen Maßstab gibt es keine direkte Speichermöglichkeit für große Mengen Strom. Hier ein Überblick über verschiedene Speichermethoden, mit denen elektrische Energie quasi-gespeichert werden kann: http://www.weltderphysik.de/de/8153.php
Damit ich also in diesem Moment diese Zeilen schreiben kann, muss irgendwo ein Kraftwerk den Strom dafür produzieren. Der durchschnittliche Verlauf des Stromverbrauchs für einen Tag im Sommer und im Winter ist hier zu sehen: http://www.weltderphysik.de/de/8253.php?i=8257
Unser bisheriges Stromnetz regelt den Unterschied zwischen Verbrauch und Produktion elektrischen Stroms bisher einzig auf der Angebotsseite: Kraftwerke werden hoch- und runtergeregelt, je nachdem, wie viel Energie die Nutzer zu jeder Sekunde nachfragen. Dies funktioniert einigermaßen brauchbar, solange die Angebotsseite regelbar ist. Doch nicht alle zukünftigen Kraftwerke sind regelbar: Wind und Sonne wehen und scheinen zwar vorhersagbar, aber nicht kontrollierbar. Als regelbare Kraftwerke bleiben langfristig Biomasse-, Laufwasser-, Pumpspeicher- und ggf. Gaskraftwerke - in ferner Zukunft vielleicht auch mal Fusionskraftwerke.
Um also weiterhin den Ausgleich zwischen Bedarf und Produktion herzustellen, muss nun auch an der Bedarfsseite geregelt werden. Dies ist natürlich nur in begrenztem Umfang möglich - doch wenn man genau hinschaut in erstaunlich großem. Gut regelbar sind Verbraucher, die selbst ein Energiespeicher sind. Ein ganz klassisches Beispiel ist die Nachtspeicherheizung, die vielleicht der ein oder andere noch kennt: Nachts - wenn der Strombedarf gering ist - wird eine Steinplatte in einem Heizkörper aufgeladen. Tagsüber wird die geheizte Platte von Luft umströmt und die Wärme so an den Raum abgegeben.
Die potenziellen smarten Verbraucher sind zahlreich: Kühlhäuser beispielsweise können zu Zeiten geringen Strombedarfs bzw. Angebotsüberschusses stark heruntergekühlt werden und so ihren Energiebedarf decken. In Hochlastzeiten laufen die Kühlaggregate einfach nicht, durch die Isolierung bleibt das vorher tiefer als gewöhnlich gekühlte Kühlhaus kalt genug. Auch mit modernen Haushaltskühlschränken wäre eine solche Steuerung gut möglich. Ein Indiz dafür sind Werbeversprechen wie "Kältereserve 24h" - eine so gekennzeichnete Tiefkühlbox könnte statt rund um die Uhr auf -20°C zu kühlen zu Zeiten wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint z.B. auf -40°C kühlen und dann über viele Stunden ohne weitere Energieversorgung auskommen.
Sobald die Umstellung auf Elektromobilität erfolgt ist, gibt es ein weiteres großes Speicherpotenzial: Die meisten Elektrofahrzeuge werden nachts unbenutzt an ihren Ladesäulen stehen. Im einfachsten Fall würde man sie mit Nachtstrom laden, später - im echten intelligenten Netz - würden sie bei Stromüberangebot intensiv geladen werden und könnten sogar bei Strommangel aus ihren Batterien (die dann wahrscheinlich auch effizienter arbeiten werden also heute) das Netz mit zusätzlicher Energie unterstützen. Damit dies funktioniert, muss der Fahrzeugnutzer natürlich dem Netz auch den Bedarf vormelden. Es ist ja schließlich nicht sinnvoll, die Batterie des eigenen Fahrzeugs leerzuverkaufen, wenn man eine Stunde danach eine längere Fahrt plant.
Und damit sind wir auch schon bei der meiner Einschätzung nach größten Herausforderung eines konsequenten "Smart Grid": Die "smarte" Komponente "Mensch"! Heute sind wir es gewohnt, dass der Strom einfach so und rund um die Uhr gleichwertig aus der Steckdose kommt. Es gibt keinen offensichtlichen Grund und erst recht keinen Anreiz, die Geschirrspülmaschine, den Wäschetrockner oder die Waschmaschine genau dann laufen zu lassen, wenn gerade mehr Strom produziert als nachgefragt wird. Doch diese Anreize werden kommen müssen, damit Smart Grids funktionieren.
In einem ersten Ansatz wird konsequente smarte Stromnutzung sich im Preis niederschlagen: Wenn der Strompreis mit der Differenz aus Angebot und Nachfrage zumindest teilweise zum Endkunden durchgereicht wird, dann lohnt sich, die vollbeladene Waschmaschine in Wartestellung auf einen günstigen Tarif vielleicht 2-3 Stunden lauern zu lassen oder den Geschirrspüler nachts laufen zu lassen (was übrigens auch eine praktische Zeit ist, denn dann nervt er nicht mit seiner Lautstärke). Im hypothetischen Idealfall könnte der Endkunde übrigens durch Stromverbrauch auch Geld verdienen, denn bei einem starken Überangebot an elektrischer Energie bei viel Wind könnte der Großhandelsstrompreis sogar negativ werden!
Damit all dies funktioniert, muss eine Standardisierung der technischen Komponenten des Smart Grid erfolgen. Dazu gibt es Bestrebungen und europaweite Forschungsprojekte, siehe z.B. www.smartgrids.eu.
Spannend wird im Zuge dieser Entwicklungen, wie sich die wirtschaftliche Seite darstellen wird. Die Kosten für die intelligente Netzinfrastruktur werden sich Netzbetreiber und Kunden vermutlich teilen. Intelligente Stromzähler, die verschiedene Preisniveaus zu verschiedenen Zeiten anzeigen, sowie die zusätzlichen Telekommunikationseinrichtungen, werden sich die Kunden in Haus und Wohnung installieren müssen. So wie jetzt auch werden die Netzbetreiber dafür eine Miete verlangen. Die Bedarfsdaten und die passenden Prognosen werden von den Betreibern geliefert werden, und eine ganze Reihe altbekannter und neuer Hersteller werden in den Haushalten intelligente Applikationen entwickeln, die mit möglichst niedrigem Komfortverlust das Bedarfsprofil des Benutzers mit Blick auf Preis und Preisprognose optimieren werden. Wie aber schon oben gesagt: Gerade im Haushalt ist dafür die Bereitschaft des einzelnen Nutzers und der einzelnen Nutzerin für eine vorausschauende Benennung des Energiebedarfs erforderlich.
Ausgeblendet habe ich in dieser Betrachtung bisher Industrie und Gewerbe. Es gibt sicher einige Bereiche (wie die genannten Kühlhäuser), die gut als regelbare Komponenten in intelligente Netze eingebunden werden können. Doch auch die nicht regelbaren Komponenten wie Öfen jeglicher Größe, Förderbänder usw. sind auch im intelligenten Netz kein Hindernis, denn sie sind planbar und können bei Prognosen und Bedarfsanmeldungen gut berücksichtigt werden.
Wie groß ist das Einsparpotenzial durch intelligente Netze? Nun, vermutlich ist es nahe Null, solange kein nicht wegregelbarer Überbedarf an elektrischer Energie besteht. Aber das ist ja auch nicht das Ziel intelligenter Netze! Intelligente Netze haben einzig die Aufgabe, auch auf Nutzerseite eine Anpassung von Bedarf und Angebot im Strommarkt herzustellen. Und das ist notwendig, wenn wir beim Umstieg auf erneuerbare Energien eben nicht mehr 100% Kontrolle auf die Angebotsseite im Stromnetz haben.
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Kommentare
"Man kann mit Strom heizen, [...]"
Wer das schreibt, sollte bedenken, dass Strom ein hochwertiger (weil entropiefreier) Energietraeger ist. Zu seiner Erzeugung wurden in thermischen Kraftwerken 2/3 der eingesetzten Primaerenergie als Abwaerme in die Umwelt abgelassen. Man sollte also hierzulande bitte nicht mit Strom heizen, es sei denn, man bezieht ihn aus Wasserkraftwerken!
Sehr geehrter Herr Kube,
ein großes Risiko, dass Sie nicht diskutieren, ist die Sicherheit der "smart grids".
Die Erfahrung mit dem Internet und den Bankenautomaten zeigt, dass große, komplexe Computersysteme nicht vernünftig gegen Angriffe abzusichern sind, wenn die Angreifer erst einmal Zugriff auf ein System haben.
Zu einem "smart grid" hätte jeder Haushalt zwangsläufig Zugriff, und damit auch jeder Hacker.
Damit hätte man einen Pfad für Angriffe auf unsere Infrastruktur geöffnet - ob von jugendlichen Chaotentruppen wie 'lulz security' oder anderen Staaten. Man vergleiche den Stuxnet-Wurm ( http://de.wikipedia.org/wiki/Stuxnet ).
Besonders schwerwiegend wären die Konsequenzen solcher Angriffe - eine lokale Fehlsteuerung der Energiesteuerung bis hin zum deutschlandweiten Blackout mit massivsten wirtschaftlichen Schäden. Das wirtschaftliche und politische Erpressungspotenzial wäre enorm.
Mich interessiert ,bevor wir die Netze intelligent machen, wie gehen EE mit den großen Blindsstromleistungen um. Jedenfalls solange wir noch Industrie haben fallen die an, oder?
Sehr geehrter Herr Dr. Kuhn
Zu Ihrem Beitrag habe ich eine Frage: Wie sehen Sie die Gefahr, dass das Smart Grid Verbraucher synchronisiert und damit das Netz destabilisiert anstatt es zu stabilisieren? Dieser Effekt kommt dadurch zustande, dass es ein "Einschalten, koste es was es wolle" geben muß.
Ein Beispiel wäre, dass über einige Tage relativ viel Windstrom im Netz ist. Dadurch ist der Strom billig und die Kühlhäuser kühlen auf Mindesttemperatur, z.B. -40°C. Jetzt geht der Wind weg, und da gerade einige Wolken da sind oder es Winterhalbjahr ist, ist gerade auch wenig Sonnenstrom verfügbar. Damit schalten die Kühlhäuser die Kühlug ab, so dass sie langsam, auch durch Betreten oder Verlassen, wieder wärmer werden - und da Isolierung und Nutzung insgesamt ähnlich sind, geht das auch etwa synchron. Wenn jetzt diese Kühlhäuser - alle innerhalb kurzer Zeit - auf -20°C zusteuern, werden sie also jetzt die Aggregate wieder einschalten, selbst bei 1€ pro kWh. Damit wird in Zeiten mit evtl. ohnehin hohem Bedarf und geringer Erzeugung zusätzlicher Bedarf geschaffen.
Ein anderes gutes Beispiel sind die Akkus von E-Autos, die sich kurz vor den Stoßzeiten, also zwischen 5 und 7 Uhr morgens und nochmal zwischen 14 und 16 Uhr am Nachmittag, alle Gleichzeitig laden wollen. Wenn da (gerade am Nachmittag) noch hoher Bedarf mit Windstille, Wolken und Winter zusammenfällt, wie kann man das Netz noch regeln bzw. einen Netzzusammenbruch aufgrund der Synchronisation zu verhindern?
S. Schoop
Die Steuerung des intelligenten Netzes ist nicht einfach - genau solche komplexen auch soziologischen Effekte müssen erforscht und berücksichtigt werden. Der im anderen Beitrag zitierte TP-Artikel skizziert ja auch den Weg dorthin: Glättung und "künstliche" Ungenauigkeit der Information.
Namensdreher: Gar kein Problem :-)
J. Kube
@ Dr. Kube und tkoenig:
Ich meinte eigentlich gar nicht so sehr die Lastrampen, die kann man leicht ausgleichen - z.B. über asynchrone Verteilung der Preisinformation oder, falls das nicht geht, schaltet bei akzeptablem Preis erst mal ein Zufallsgenerator, der das eigentliche Einschalten um sagen wir 0 bis 900, 1200 s (oder was da nötig ist) verzögert => Die Lastrampe ist durch eine künstliche Zufallsverteilung flach genug.
Was ich aber meinte war tatsächlich das Einschalten von Verbrauchern, die über längere Zeit Strom ziehen, aber starten koste es was es wolle. Wenn so etwas durch Synchronisation (aufwärmende Kühlhäuser, Vorbereitung auf den Berufsverkehr) in Zeiten mit ohnehin hohem Verbrauch und gleichzeitig wenig Erzeugungsmöglichkeit bei Windstille, Wolken oder Winter einen über sagen wir 3 Stunden andauernden zusätzlichen Bedarf erzeugt, kann das meiner Meinung nach tatsächlich zum Netzzusammenbruch führen.
Soziologisch ist da auch nicht viel zu machen, da die Erwärmung von z.B. Kühlhäusern physikalischen und nicht soziologischen Gesetzen gehorcht. Und bei den Autobatterien wäre wohl die einzige soziologische Lösung, in SÄMTLICHEN Berufen flächendeckend Schichtarbeit mit verschiedenene Schichtwechselzeiten einzuführen. Das würde zwar diese Synchronisation auch entzerren, ich bezweifle aber ob das geht.
Die Gefahr ist durchaus real:
Siehe http://www.heise.de/tp/artikel/35/35294/1.html .
Sehr geehrter Herr Dr. Kube,
bitte Entschuldigen Sie den falschen Namen in meinem Kommentar.
Ich hatte vorher mit einem Dr. Kuhn zu tun und da war in meinem Kopf der Arbeitsspeicher wohl noch nicht freigegeben. :-)
S. Schoop
Schon Wilhelm Busch erkannte:
Aus der Mühle schaut der Müller,
Der so gerne mahlen will.
Stiller wird der Wind und stiller,
Und die Mühle stehet still.
So gehts immer, wie ich finde,
Rief der Müller voller Zorn.
Hat man Korn, so fehlts am Winde,
Hat man Wind, so fehlt das Korn.
Zitat: "...dann lohnt sich, die vollbeladene Waschmaschine in Wartestellung auf einen günstigen Tarif vielleicht 2-3 Stunden lauern zu lassen oder den Geschirrspüler nachts laufen zu lassen (was übrigens auch eine praktische Zeit ist, denn dann nervt er nicht mit seiner Lautstärke)."
Ich wusste ja noch gar nicht, dass es Geschirrspüler und Waschmaschinen gibt, die nachts völlig lautlos laufen. Im Ernst: wenn Madame von oben, die mir mit ihren Holzschuhtanzaktionen am frühen Sonntagmorgen oder dem Staubsaugen um 23:30 sowieso schon den letzten Nerv raubt, demnächst dann um 3 Uhr nachts ihre Waschmaschine anschmeisst wird sie das vermutlich nicht lange überleben (sowohl das Gerät wie auch Madame). Der Autor scheint schon lange nicht mehr zur Miete zu wohnen.
Werter Herr Dr. Kube,
auch wenn sie, wie man ihrer Vita entnehmen kann, kein Experte auf dem Gebiet der Energieerzeugung und -verteilung sind und auch wenn sie in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn niemals nie nicht mit der Industrie und dem Gewerbe in Berührung gekommen sind, möchte ich ihnen trotzdem herzlichst für diesen Artikel danken.
vielen dank, das Sie uns in ihrem letzten Absatz die Folgen so klar darstellen, auch wenn sie scheinbar mittels ihrer doppelten Verneinung verharmlosen wollen, das es mittels smart grid kein generelles Einsparpotential gibt.
Für mich, als ehemaligen DDR Bewohner klingt dies stark nach 'Planwirtschaft 2.0'.
jedoch eine Frage habe ich zum Schluss. Sie schreiben:
"Ausgeblendet habe ich in dieser Betrachtung bisher Industrie und Gewerbe. Es gibt sicher einige Bereiche (wie die genannten Kühlhäuser), die gut als regelbare Komponenten in intelligente Netze eingebunden werden können. Doch auch die nicht regelbaren Komponenten wie Öfen jeglicher Größe, Förderbänder usw. sind auch im intelligenten Netz kein Hindernis, denn sie sind planbar und können bei Prognosen und Bedarfsanmeldungen gut berücksichtigt werden."
Können sie dem geneigten Leser bitte erklären, wie die besagten nicht regelbaren Komponenten in Zeiten einer nicht vorhandenen Versorgung durch regenerative Energieerzeuger betrieben werden sollen?
Da hilft auch kein noch so intelligentes Netz. Wie schaut die dazugehörige Speicherstrategie aus?
Mit besten Grüßen
Michael M.
Sehr geehrter Herr M.,
regenerative Stromerzeugung wird immer regelbare und nicht regelbare Komponenten besitzen. Je intelligenter und vorausschauender die Bedarfsseite planen kann, desto geringer kann der regelbare Anteil auf Angebotsseite sein. Der Umbau wird nicht von heute auf morgen stattfinden. Und Speichertechnologien werden erforscht. Persönlich erscheint mir besonders das Konzept, Methan aus Strom und CO2 zu erzeugen, sehr erfolgversprechend und in Zukunft sehr beachtenswert.
Viele Grüße,
Jens Kube
Sehr geehrter Herr Kube,
Sie schrieben
"Persönlich erscheint mir besonders das Konzept, Methan aus Strom und CO2 zu erzeugen, sehr erfolgversprechend und in Zukunft sehr beachtenswert."
Das Konzept hört sich interessant an, wenn man die Details nicht betrachtet. Tut man dass, stellt sich dieser Prozess als ein schönes Beispiel für Energiespeicher mit niedrigem Wirkungsgrad und schlechter Wirtschaftlichkeit heraus.
Zunächst der Energieaufwand für das Abscheiden des CO2, was den Wirkungsgrad des Kraftwerkes etwa um acht Prozentpunkte senkt, d.h. den Primärenergieverbrauch gewaltig steigen lässt. Das kann wirtschaftlich sein, wenn das CO2 zur Substitution von teuren chemischen Rohstoffen verwendet wird; sonst kaum.
Die Wasser-Elektrolyse bringt etwa 20% Verluste, aber vor allem gigantische Investitionen und damit riesige Kosten zum Abdecken der Spitzenlasten (einige hundert Gigawatt elektrische Leistung erforderlich, zum Vergleich: die gesamte riesengroße europäische Chlorindustrie hat etwa 5 Gigawatt Leistung). Unwirtschaftlich, weil nur ein paar hundert Stunden im Jahr Vollast.
Dann die Methansynthese über umgekehrte Synthesegasreaktion... und dann die Rückwandlung, bestenfalls über GuD-Kraftwerke mit max. 60% Wirkungsgrad. Aber auch die würden im wilden Teillastbereich betrieben werden, was den Dampfturbinen nicht wirklich guttut und die CO2-Abscheidung auch nicht einfacher macht.
Gesamtwirkungsgrad: um die 40%, d.h. wir bräuchten das 2.5-Fache an Primärenergie.
"Die potenziellen smarten Verbraucher sind zahlreich: Kühlhäuser beispielsweise können zu Zeiten geringen Strombedarfs bzw. Angebotsüberschusses stark heruntergekühlt werden und so ihren Energiebedarf decken"
Als Physiker sollten Sie wissen, dass das weitere Herunterkühlen zu schlechteren Leistungsziffern und dadurch zu höherem Stromverbrauch führt. Ist Ihnen das egal?
Temperaturschwankungen bei tiefgefrorenen Lebensmitteln führen, weil immer ein gewisser Rest von Flüssigkeit übrigbleibt, zu Wachstum von Eiskristallen und dadurch zu Qualitätsminderung.
Ansonsten vielen Dank für Ihren offenen Artikel, der ganz klar zeigt, wo die Reise hingeht - zurück in die zentral verwaltete Mangelwirtschaft wie früher in der DDR. Überschreiten des zulässigen Beleuchtungsstandards war damals eine Straftat.
Die Energiewende beschneidet die Freiheit der Bürger und macht entzieht durch Kosten und durch unzuverlässige Stromversorgung der Industrie die Grundlage.
Sehr geehrter Herr Kube.
wie soll ich, als Arbeitnehmer mit einem 8 - 12 Stunden Tag in einem Mehrfamilienhaus, mich an die unberechenbare Energieversorgung anpassen? Wenn dann des Nacht´s Waschmaschinen, Geschirrspüler etc. laufen und ich eigentlich schlafen muss. Was sagen Ihre beiden Kollegen die Doktoren Bohne zu einer permanenten Unterbrechung des natürlichen Bio - Rythmuses ? Bei knapp 42 000 000 Haushalten in Deutschland wohnen die Meisten in Großstädten und haben gewisse Hausordnungen zu befolgen. Da der Anteil des Stromverbrauchs durch Privathaushalte ca. 20 Prozent ausmacht sehe ich das Sparpotential durch Smart Grid im Haushaltbereich als zu gering an, um solch harte und gesundheitsgefährdenden Eingriffe hin zunehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gast
Sehr geehrter Herr Kube,
vielen Dank für diese offene Darlegung dessen, was im Zuge der Energiewende auf den Verbraucher zukommt. Das Szenario welches Sie beschreiben ist schließlich nur die Konsequenz daraus, dass in Zukunft der Strom nicht wie heute nach Bedarf, sondern nach den Launen der Natur produziert werden soll.
Allerdings beurteile ich die Lenkungswirkung der so genannten Smart Grids nicht ganz so optimistisch wie Sie das tun. Die Möglichkeiten den Stromverbrauch zeitlich so flexibel wie erforderlich zu gestalten, sehe ich nicht. Betrachte man etwa den den typischen Haushaltsstromverbrauch einer durchschnittlichen Familie (http://web484.login-27.hoststar.ch/files/Typischer_Haushaltstromverbrauc...) dann fällt einem schnell auf, dass viele Punkte zeitlich nicht oder nur unter sehr großer persönlicher Einschränkung an einen schwankenden Bedarf anzupassen sind.
Licht etwa benötigt man dann, wenn es draußen dunkel ist, man aber (noch) nicht schläft. In aller Regel also abends. Ähnliches gilt für das Kochen. Da möchte man auch nicht darauf warten, dass vielleicht nachts um 1 Uhr irgendwo Wind weht.
Etwas variabler zu gestalten sind wohl nur die oft genannte Waschmaschine und der Trockner. Wobei man, wenn es auch über Nacht keinen Strom zu verbrauchen gibt, morgens immer noch keine saubere Wäsche hat. Oder die Wäsche aus dem Trockner noch einmal waschen muss, weil sie inzwischen ein wenig riecht...
Mit freundlichen Grüßen,
Rudolf Kipp
Lieber Herr Dr. Kube,
vielen Dank für den sehr offenen Beitrag, der weite Verbreitung finden sollte, damit die "Wendefolgen" für den Bürger transparenter werden.
Sie halten zutreffend fest, dass durch die sogenannte "Energiewende":
- wir nicht mehr 100% Kontrolle auf die Angebotsseite im Stromnetz haben;
- dieses Probleme in bestimmten Segmenten der Industrie nach sich zieht ("Öfen");
- die Kosten für "intelligente" Netze durch den Stromkunden zu tragen sind;
- wir demnächst zur Freude der Nachbarn nachts waschen dürfen;
- "In einem ersten Ansatz " die "smarte" Stromnutzung" sich im Preis "positiv" niederschlagen wird (wie sehen Sie die mittelfristige Entwicklung? Ein allgemein deutlich höheres Preislevel über alle Zeiten?)
Was Sie beschreiben, ist letztendlich nichts anderes als eine zukünftige Mangelwirtschaft als Folge der "Energiewende", deren Nachteile im Wesentlichen der private Bürger tragen muss, da die Industrie prozessimmanent weniger "flexibel" ist- will man letztere nicht vollends aus dem Lande treiben. In einer Mangelwirtschaft fehlt es per definitionem an nachgefragten Waren. Was ist an der Ausgestaltung einer Mangelwirtschaft, insbesondere der beschriebenen Energierationierung für den Privatverbraucher "smart", und für wen ist das ggf. besonders smart?
- Die versteckte Subventionierung der Industrie durch den Privatverbraucher?
- Das allgemein höhere Preisniveau durch politische Angebotsvernappung?
- Die Nutzung meiner Akkus durch Stromversorger?
Sehr geehrter Dr. Kube
Ich habe mir mal erlaubt Ihren Text auch bei uns zur Diskussion zu stellen:
http://www.science-skeptical.de/blog/burgerdialog-expertenblog-smart-gri...
Hiermit bitte ich um die Genehmigung den gesamten Text kopieren zu dürfen.
(natürlich mit Quellenangabe)
MfG
Heinz Eng
Hallo Herr Eng,
nach Rücksprache mit Herrn Kube können Sie auf Ihrem Blog seinen Beitrag zitieren und verlinken, dem Kopieren des gesamten Texts stimmt er jedoch nicht zu.
Viele Grüße
Ihre Moderation
Sehr geehrter Basedow,
wie verträgt sich Ihre Antwort an Herrn Eng mit dem Hinweis unter dem Punkt „Weiterverwendung von Inhalten? in „Häufige Fragen“?
http://mitreden.buergerdialog-bmbf.de/energietechnologien-fuer-die-zukun...
Darin heißt es: --„Alle Inhalte (Beiträge und Kommentare), die von den Teilnehmenden eingestellt und nicht abweichend gekennzeichnet wurden, können im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/) weiterverwendet werden“--.
Herr Dr. Jens Kube dürfte zweifelsfrei sowohl im weiteren als auch im engeren Sinne zu den Teilnehmern zählen. Einen Sperrvermerk (copyright) kann ich unter seinen Beiträgen nicht feststellen.
Handelt es sich hier um eine Entscheidung der „Moderation“, oder gibt es eine höhere „Entscheidungsgrundlage“?
freundliche Güße
Wolf Krab
Hallo Herr Krab,
die Regelung ("Alle Inhalte (Beiträge und Kommentare), die von den Teilnehmenden eingestellt und nicht abweichend gekennzeichnet wurden, können im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/) weiterverwendet werden.") bezieht sich auf die "Teilnehmenden" am Online-Dialog. Der Expertenblog als begleitendes Element ist hiervon nicht berührt. Wir bitten um Verständnis, dass die Experten Ihre Namensbeiträge nicht zum Vollzitat freigeben.
Viele Grüße
Moderation Basedow
Ohne das Smart Grid ist die Energiewende nicht zu schaffen. Die Menschen werden sich daran gewöhnen müssen.
Ohne den Ausbau der Netze ist die Energiewende nicht zu schaffen. Dazu werden die Menschen vor Ort im Dialog mitgenommen. Notfalls werden ihre Rechte eingeschränkt. Das dient der Beschleunigung des Verfahrens.
Selbstverständlich sind neue Speichermöglichkeiten erforderlich, um die Energiewende zu schaffen. Was im Inland nicht möglich ist, wird im benachbarten Ausland und in Norwegen realisiert.
Und zweifellos muß der Stromverbrauch künftig deutlich sinken, weil nur so der notwendige Stromimport aus dem Ausland begrenzt werden kann.
Sehr geehrter Herr Dr. Kube,
mir erschließt sich nicht, warum überhaupt irgend jemand diese Energiewende verteidigt. Sie bringt für die Allgemeinheit in hohem Maße Belastungen, Kosten, gesundheitliche Risiken, Verlust an Lebensqualität.
Auch das Smart Grid ist ein Versuch, Probleme zu lösen, die es ohne die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom gar nicht gäbe.
Da gibt es nichts zu beschönigen oder zu verteidigen. Und niemand sollte diese Energiewende als Fortschritt verkaufen.
Es kann nur eine Konsequenz geben: Den sofortigen Ausbaustopp für Solarstromanlagen und Windturbinen. Nach einer Phase der Besinnung wird die zügige Abschaffung des EEG der nächste Schritt sein. Der Rückbau der vorhandenen Anlagen folgt von ganz alleine. Auf das Smart Grid kann sofort verzichtet werden.
Das ganze Land wird aufatmen.
Beste Grüße.
Lieber Herr Kube,
Danke für diese Analyse.
Die Politik der Bundesregierung bedeutet
also, dass wir als Industrienation die Kontrolle
Über die Produktion eines essentiellen Produktes
verlieren. Diese Politik ist also ein Rückschritt
Und damit der Offenbarungseid der Bundesregierung
Und ihrer Energiepolitik. Nicht mehr gestalten,
Sondern irgendwie den Mangel verwalten.
Danke für ihre Analyse.
Mfg
Ist das nicht toll?
Wir haben seit über 60 Jahren eine funktionierende und früher mal preiswerte Stromversorgung und sollen nun die Schwächen der überflüssigen und teuren Energiewende auch noch mit dem teuren gar nicht smarten grid ausgleichen.
Wer soll das gut finden oder sogar mittragen, außer den Produzenten, die daran verdienen?
Zu Kühlschränken und Kühlhäusern ist noch zu bemerken, daß der Wärmeverlust linear mit dem Temperaturunterschied ansteigt. Wenn Sie also auf -40 Grad kühlen haben Sie gegenüber -20 Grad anfangs 50% mehr Wärmeverlust bei + 20 Grad Umgebungstemperatur. Dazu kommt noch, daß der Kältekompressor für einen größeren Druckunterschied gebaut werden muß und damit zwangsläufig einen schlechteren Wirkungsgrad hat. Die Kälteanlage wird also teurer und verbraucht überproportional mehr Strom, um die gleiche Aufgabe zu erfüllen. Dieser Unsinn zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Ökoenergie und Klimathema. Dazu paßt auch die Energievernichtung in den Speichern und beim Verpressen von CO2.
Ich kann nur daran appellieren, das knappe Geld in Deutschland für sinnvolle Dinge auszugeben und nicht für von Lobbyisten herbeigeredete Probleme zu verschwenden.
Lieber Gast,
bleiben Sie bitte trotz des emotional besetzten Themas respektvoll gegenüber den Autoren und versuchen Sie im Sinne eines konstruktiven Dialogs ohne Unterstellungen (Stichwort "Lobbyisten") Ihre Argumente vorzubringen.
Vielen Dank und Grüße
Moderation Basedow
Das finde ich interessant, Herr Basedow, daß schon der Begriff "Lobbyist" als Respektlosigkeit gelten soll.
Warum? Lobbyist zu sein ist ein ganz normaler Beruf (ich bin übrigens keiner) und Lobbyisten führen eine in unserer Demokratie unverzichtbare und wertvolle Aufgabe durch. Man muß sich halt nur darüber klar sein, mit welchen Motiven. Und diese muß man dann auch klar benennen. Das heißt nicht, daß Lobbyisten nicht auch mal richtig liegen können bzw. sich für sinnvolle Dinge einsetzen.
User "Gast" hat völlig recht. Die Notwendigkeit, das Energiesystem umzubauen, besteht nicht wirklich. Sie wurde von Lobbyisten herbeigeredet. Von wem denn sonst? Das wird auch Herr Kube wissen, von dem ich allerdings nicht annehme, daß er ein Lobbyist ist. Das hat User "Gast" aber auch nicht behauptet.
Gruß, Heller
Herr Basedow,
Sie haben das falsch verstanden. Natürlich ist nicht Dr. Jens Kube gemeint, wenn ich von Lobbyisten sprach, sondern die Vertreter der Firmen, die von der Energiewende profitieren.
Hallo Herr Kube,
vielen Dank für diesen Text. Sie haben ganz wunderbar und leicht verständlich den vielleicht wichtigsten Punkt der Energiewende herausgearbeitet. Den die meisten Menschen bislang noch nicht verstanden haben.
Der Unstieg auf NIEs (Neue, Ineffiziente Energien) bedeutet, daß sich der Bedarf dem Angebot anzupassen hat. Zahlt man jetzt seine Stromrechnung auch für das Versprechen, jederzeit soviel Strom dem Netz entnehmen zu können, wie man möchte, wird man in Zukunft noch mehr dafür bezahlen müssen, daß man sein Leben wieder nach dem Wetter, nach Wind und Sonne ausrichten muß.
Ganz abgesehen davon, daß wir die Abhängigkeit unserer Versorgung vom Wetter durch die Industrielle Revolution eigentlich schon überwunden hatten, ist dies das typische Kennzeichen einer Mängelwirtschaft. Nachfragesteuerung ist ein zutiefst planwirtschaftliches Instrument. Und sie beinhaltet immer eine Form der Kontrolle, der Überwachung, denn sonst ist sie nicht durchsetzbar.
Dies ist auch der Grund, warum die Energiewende hier im Bürgerdialog weit überwiegend abgelehnt wird. Und letztendlich wird die Energiewende, sobald ausreichend vielen Menschen dies klar geworden ist, auch genau aus diesem Grund scheitern.
Tatsächlich brauchen wir immer mehr Strom mit immer größerer Verläßlichkeit zu immer geringeren Kosten, Die Energiewende kann das nicht leisten, vielen Dank für die Bestätigung.
Gruß, Heller