Was bedeutet die Energiewende für die energieintensive Industrie in Deutschland?
Als Mitglied des Beraterkreises und Hauptgeschäftsführer der WirtschaftsVereinigung Metalle e.V. möchte ich hier im Expertenblog schildern, was die Energiewende für die energieintensive Industrie bedeutet.
Die Energiewende ist vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan eine nachvollziehbare, dennoch in der Praxis keine einfach zu vollziehende Wende in der Energiepolitik des Industrielandes Deutschland. Sie stellt eine große Herausforderung für die Gesamtgesellschaft und Industrie als Teil der Gesellschaft dar. Es ist wahrlich eine Herkulesaufgabe, zu deren Bewältigung die viertgrößte Volkswirtschaft noch an einigen Klippen vorbeigeführt werden muss und zu der vor allen Dingen ebenfalls ein gesellschaftlicher Konsens benötigt wird. Die vor der Sommerpause festgelegten Eckpunkte und das klar definierte Ausstiegsszenario aus der Kernenergie sind dabei die eine Seite der Medaille - und bedeuten kein Ende der Debatte -, die Energieversorgungssicherheit der modernen Gesellschaft und Industrie die andere Seite. Als Grundstoffindustrie brauchen wir einen grundlastfähigen Energiemix, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Da erneuerbare Energien kurz- bis mittelfristig keinen grundlastfähigen Strom erzeugen können und ausreichende Energiespeicher fehlen, sind daher andere grundlastfähige Stromerzeugungsarten erforderlich. Dazu gehören – ob politisch gewollt oder nicht – saubere und moderne Kohlekraftwerke. Dazu müssen die in den vergangenen Jahren zunehmend restriktiven Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung auf Kohlebasis, von lokalen Widerständen bis hin zur Verteuerung des CO2-Ausstoßes, auf den Prüfstand bzw. verbessert werden.
Hannelore Kraft hat dies klar formuliert. Sie spricht von einer „Kohlebrücke“, bei der die Braunkohle in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen wird. Damit zeigt sie einen Weg auf, der vorurteilsfrei nach Lösungen für einen realistischen Energiemix für das Industrieland Deutschland sucht.
Gerade die Kostenseite bedarf einer näheren Betrachtung. Der für die Industrie maßgebliche Großhandelspreis ist schon beim Abschalten der ersten Kernkraftwerke um gut 10 Prozent gestiegen, das bedeutet knapp 1 Cent je Kilowattstunde. Während das für die Privathaushalte noch zu einem als moderat zu bezeichnenden Anstieg von 35 Euro im Jahr führt, bedeutet der Preisanstieg für die Industrie orientiert am durchschnittlichen Stromverbrauch der letzten Jahre Mehrkosten in Höhe von 1,9 Milliarden. Insbesondere die energieintensiven Industriebranchen sind mit existenziellen Kostensteigerungen konfrontiert. Die Papierindustrie sieht sich Mehrkosten von 150 Millionen Euro gegenüber, die Chemieindustrie wird mit zusätzlich 340 Millionen Euro belastet und die gesamte Metallbranche muss mit 460 Millionen Euro rechnen. Aktuelle Studien beziffern die volkswirtschaftlichen Kosten des Atomausstiegs in einem Rahmen von 32 bis 55 Milliarden Euro. Der private Verbraucher und die Industrie werden sie bezahlen müssen, direkt oder durch Subventionen des Staates. Die Belastbarkeit der Industrie wird dabei leider häufig überschätzt. Da die Energiewende nur mit der Industrie als Wachstums- und Innovationsmotor gelingen kann, müssen wir einen rechtssicheren Weg beschreiten, der Tempo, Kosten und Anpassungen im Auge hat.
Energie muss sicher, sauber und bezahlbar sein. Die Kostenbelastung für die metallerzeugenden und -verarbeitenden Unternehmen war im internationalen Vergleich bereits vor der Energiewende zu hoch. Da passt nichts mehr obendrauf, wenn wir unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht aufgeben wollen.
Neben der Kostenfrage, die weder geklärt noch in den bisherigen politischen Beschlüssen des Bundestages berücksichtigt ist, bleiben weitere essenzielle Fragen für die energieintensiven Industrien unbeantwortet:
• Woher kommt der Grundlaststrom im Energiemix?
• Wer investiert in neue, wirtschaftlich unrentable Kraftwerke?
• Wer baut die zur Verteilung des Windstroms notwendigen Netze?
• Wie sollen die beibehaltenen Klimaschutzziele erreicht werden?
• Welche Instrumente sorgen zukünftig für international wettbewerbsfähige Strompreise?
• Wer schafft Konsens im „St. Florians-Land“?
Darauf gibt es bisher keine schlüssigen Antworten, die einem Realitätscheck standhalten würden. Strom kommt eben nicht nur aus der Steckdose und Energierealität ist komplexer als viele es sich wünschen.
Die Vorreiterrolle Deutschlands und Europas im Klimaschutz, der Energie- und Ressourceneffizienz ist eng verzahnt mit der Zukunft der hiesigen Industrieproduktion. Ökologische Herausforderungen werden wir nur ökonomisch lösen können. Die Industrie ist dabei nicht das Problem, sondern notwendiger Gestalter unserer Zukunft. Dafür braucht sie weiterhin internationale Wettbewerbsfähigkeit „Luft zum Atmen“. Von einer Industrie, die von Subventionen gelenkt wird, werden wir nicht leben können, schon aus Gründen der Staatsverschuldung und Haushaltskonsolidierung. Daher müssen auch Erneuerbare Energien zügig in den Markt integriert werden, um Gelder freizumachen für Projekte wie Gebäudesanierung, Leitungs- und Kraftwerksbau.
Die Belastungsaddition aus hohen Stromkosten und zusätzlichen politischen Kosten schwächen die internationale Wettbewerbssituation deutscher Unternehmen, den tatsächlichen Vorreitern in Sachen Klimaschutz, Ressourcen- und Energieeffizienz. Der Schlüssel hierfür liegt in der tagtäglichen Praxis der Balance von Ökonomie und Ökologie in den Unternehmen. Hierzu brauchen wir ein kontinuierliches Monitoringverfahren als Realitätscheck.
Die politisch gewollte Neuausrichtung und Umsetzung der Energiepolitik sind ohne die energieintensiven Industrien nicht möglich, denn ohne energieintensive Grundstoffe wie Aluminium, Stahl, Kupfer, Glas, Zink, Blei, Nickel und andere Metalle wird kein Kraftwerk gebaut, kein Stromnetz betrieben, kein Strom aus Erneuerbaren produziert - und keine Speicher hergestellt. Der für alle Energieformen notwendige Ausbau der Netze und Energiespeicher ist voranzutreiben. Dies erfordert ein aktives Eintreten für die Akzeptanz von Großprojekten und Infrastruktur. Anders werden die Planungen und die Umsetzung von Kraftwerksbauten und das Ziehen von Stromtrassen quer durch die Republik nicht möglich sein.
Deutschlands Industrie weist eine weitgehend intakte komplette Wertschöpfungskette auf und stellt so Energietechnologien auf höchstem internationalem Niveau her und ist in vielen Bereichen Weltmarktführer. Der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung ist mit 30 % existentiell für alle Lebensbereiche der modernen Industriegesellschaft. Die deutsche Industrie bietet bereits heute ein breites Spektrum an Technologien für den Klimaschutz und insbesondere auch für die Erneuerbaren Energien, die ohne die Produkte der energieintensiven Industrien nicht vorstellbar wären. Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass die Industrie in Deutschland, flankiert von politischen Maßnahmen zur Krisenbewältigung, uns erneut auf einen Wachstumspfad gebracht hat, der Wohlstand und sozialen Frieden sichert. Das brauchen wir in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrise notwendiger denn je. Mit Dienstleistungen allein und vergehendem Wohlstand lässt sich die Zukunft nicht gestalten.
Wer die Standards in der Ökologie auch zukünftig sichern, das Industrie-, Innovations- und Investitionsland Deutschland stärken und Industriearbeitsplätze erhalten will, muss die ökonomischen Grundlagen für eine international wettbewerbsfähige Grundstoffindustrie politisch flankieren. Das setzt voraus: international wettbewerbsfähige Energiekosten, international vergleichbare Umweltstandards, fairen Welthandel und freie Märkte, Rohstoff und Energieversorgungssicherheit und eine konstruktive Industriepolitik.
Der notwendige gesellschaftliche Konsens für Klima-, Energie- und Industriepolitik hat keine Zukunft, wenn offene Fragen ausgeblendet werden. Gesellschaftspolitische Grundsatz- und Akzeptanzfragen sind durch ideologiefreien Konsens und sachliche Entscheidungen lösbar. Wir leisten unseren Beitrag dazu und geben gerne Diskussionsanstöße mit aller Klarheit und unserer Erfahrung.
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Kommentare
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,8350051,00.html
Auch für den CDU-Europaabgeordneten Peter Liese (CDU) ist Energieeffizienz der kostengünstigste Teil der Energiewende. Im Frontal21-Interview kritisiert er deshalb die Haltung des Bundeswirtschaftsministeriums, das sich vehement gegen die Energieeffizienz-Pläne der EU stemmt.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1445116/Roesler-blockiert-E...
Rösler blockiert EU-Energieziele
Herr Kneer, wie setzen Sie sich als Mitglied des Beraterkreises und Hauptgeschäftsführer der WirtschaftsVereinigung Metalle e.V. ein um Herrn Rößler von den Vorteilen von Effizienzmaßnahmen zu überzeugen zum Vorteil für Ihre Mitglieder??
Denn mit dem Bau von neuen "Grundlast"kraftwerken ist es nicht getan, vor allem nicht wenn Sparmaßnahmen zum halben Preis zu haben sind!!
SIE schreiben doch für den Expertenblog, haben Sie eine Meinung dazu?
Zur Steigerung der Energieeffizienz kann jeder einen Beitrag leisten – auch die energieintensive NE-Metallindustrie. Zunächst sind ihre Produkte für mehr Effizienz in der Erzeugung, dem Transport und der Nutzung von Energie unverzichtbar (Stichwort: Wärmetauscher). In der Produktion haben die NE-Metallunternehmen bereits einen sehr hohen Effizienzgrad erreicht. Als Faustregel gilt: je energieintensiver, desto kleiner und aufwendiger sind die Fortschritte. Wir erwarten durchschnittlich eine Steigerung von 0,5 % pro Jahr je Tonne Produkt in den nächsten Jahren. Das von MdEP Dr. Liese angesprochene Potenzial bezieht sich ganz wesentlich auf Gebäude und die Querschnittsenergie, z. B. elektrische Antriebe. In der NE-Metallindustrie hat die Prozessenergie zum Schmelzen, Erwärmen, Warmhalten, Gießen und Entspannen sowie zur mechanischen Bearbeitung einen hohen Anteil am Gesamtenergieverbrauch von ca. 90 %. Gleichwohl werden auch die Potenziale der Querschnittstechnik in der NE-Metallindustrie genutzt. Die NE-Metallindustrie ist für freiwillige und marktbasierte Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Zwangsweise Verknappungen des Energieangebots und verpflichtende Systeme zum Energiemanagement lehnen wir ab.
Ohne den CO2 Gehalt zu senken wird es keine Zukunft geben!
Um dies zu erreichen ist es erforderlich auf Fossile Brennstoffe innerhalb kürzester Zeit zu verzichten.
Dies kann man bereits jetzt,
Möglichkeiten:
Photovoltaik -- Die Herstellung der Module benötigt viel Energie, und wertvolle Rohstoffe
Windkraftwerke -- Im Moment werden diese aus dem Wind gedreht wenn zu viel Strom erzeugt wird -- mit der Fallfilm Elektrolyse könnten diese immer Strom erzeugen
Wasserkraftspeicherkraftwerke -- Hier wird Wasser in höher gelegene Seen gepumpt um bei Strombedarf diesen erzeugen zu können
Wasserkraftwerke Fluss -- Hohe Erstellungskosten
Wasserstoffkraftwerke -- leider gibt es diese noch nicht - mit Biomasse zu betreiben, der anfallende CO2 Anteil kann in Terra Preta gewandelt werden - also wird der Anteil an CO2 sogar abgebaut!
CO2 muss nicht in Speichern gelagert werden.
Das entstehende H2 wird in das Erdgasnetz eingespeist - in naher Zukunft bis 10%
Bereits jetzt könnten entlang der Wasserstoffpipelines in Deutschland Firmen und Privatpersonen mittels Brennstoffzellen Strom und Wärme erzeugen.
Und die Kosten pro kWh wären niedriger wie im Moment.
Googlen Sie einfach einmal nach Bio Wasserstoff
Die Energiewende könnte sofort beginnen.
Martin.Kneer erwähnt gerne die "Grundlast". Nur wie hoch ist diese tatsächlich?
Damit meine ich nicht den Wert der aktuell nachgefragt wird sondern den Wert der wirklich nicht auf den Tag verschiebbar ist!
Im Moment ist es so dass die Grundlast durch Pumpspeicher, die überwiegend nur nachts aufgeladen werden, um 10,5 GW erhöht wird.
Zudem gibt es noch Niedertarife für Nachtspeicher u. Boiler die aber sicher nicht von der "Industrie" benötigt werden und man genauso auch durch andere Primärenergie ersetzen könnte.
Aber auch Kühlhäuser müssen nicht unbedingt nachts aufgeladen werden, bestimmte Metallschmelzen können auch viele Stunden ohne Strom auskommen und so den Bedarf verschieben usw.
Wie hoch also ist der tatsächliche, unaufschiebbare Strombedarf der Industrie in GW, Herr Kneer?
Wie Eicke Weber vom Fraunhofer Institut anhand reeler Zahlen erklären konnte sind die Strompreise für Großverbraucher in den letzten 3 Jahren durch den EE-Ausbau gesunken.
St. Florians Land haben wir derzeit in Japan wo Tepco nun Subventionen erhält. Die Gewinne haben sie damals gerne behalten, die Kosten jetzt darf die Gesellschaft tragen.
Herr Kneer sollte mal hinterfragen WAS "Grundlast" ist!
Müssen die Pumpspeicher denn nachts aufgeladen werden? Muß nachts Niedertarif angeboten werden damit Nachtspeicherheizungen u. Warmwasserboiler gefördert werden usw. ? Müssen Kühlhäuser nachts ihren Strom beziehen?
Ohne diese künstlichen Steigerungen würde nicht mehr viel von der "Grundlast" übrig bleiben.
Da Herr Kneer zum Expertenblog gehört könnte er doch mal mit realen Zahlen nachweisen aus welchen Nachfragern die "Grundlast" besteht!
Von neuen Netzen halte ich mittlerweile auch nicht mehr viel seit ich den Wirkungsgrad der Fallfilm-Elektrolyse mit 94% kenne. Besser ist es man nutzt das Erdgasnetz u. mischt dort H2 bei. Das Stromnetz braucht 9,2 Cent/kwh für den Transport, das Gasnetz aber nur 0,7 Cent/kwh.
Da müßten schon viele Verluste entstehen damit man die Differenz von 8,5 Cent erreicht. Mit BHKW in Mini-Ausführung werden aber über 90% der Energie genutzt, mit stationären Brennstoffzellen sollen es gar 100% sein.
An ZukunftEE, TEIL 4
Die Energiewende wird nur auf der Grundlage einer starken und international wettbewerbsfähigen Industrie gelingen. Sie ist der Innovationsmotor für die Umwandlung der Energiewirtschaft. Hierbei müssen sich die neuen Techniken im Wettbewerb durchsetzen. Der Erfindungsreichtum der Ingenieure und der Wagemut der Unternehmen lassen sich nun einmal nicht vom Gesetzgeber im Voraus erkennen und durch passgenaue Subventionen lenken. Die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Energie in Wasserstoff ist möglicherweise wesentlich kostengünstiger als die Speicherung des Stroms. Dabei fallen aber die Transportkosten im Strom- oder Gasnetz kaum ins Gewicht. Auch im Höchstspannungsnetz kostet der Transport vergleichbar dem Gasnetz nur knapp 1 ct/kWh.
Die Erzeugung von Methangas aus Strom scheint hingegen keine wirtschaftlich vertretbare Alternative zu sein, da langfristig mit einem Preis von 15 ct/kWh (150 €/MWh) zu rechnen ist, was dem Fünffachen des heutigen Erdgaspreises entspricht.
Die Transportkosten stellen nicht immer den richtigen Wert dar. Im Stromnetz werden nun mal auch Nieder- u. Mittelspannungsnetze gebraucht u. die Durchleitungsgebühren betragen eben 9,2 Cent/kwh.
Welche Industrien kommen denn nur mit Höchstspannungsnetz aus?! Fakt ist doch eher daß die Verbraucher die 9,18 Cent/kwh für die Durchleitung zahlen die anderen quersubventionieren. Die 9,18 Ct gelten doch auch nicht für Niedertarife die es auch für Haushalte schon ab 11 Cent/kwh gibt.
Bei Transport von Gas gelten die 0,7 Cent/kwh für alle Kompressionen und Gasnetze.
An ZukunftEE, TEIL 3
Grundlast, von der Strombörse EEX in Leipzig als „Base Load“ bezeichnet, meint eine kontinuierliche Stromlieferung zu jeder Stunde eines Tages. Diese Kontinuität benötigen vor allem Industriebetriebe, da Produktionsanlagen bei voller und gleichmäßig hoher Auslastung zu den geringsten Durchschnittskosten laufen. Mit anderen Worten: Die Industrieanlagen der Grundstoffindustrie laufen an jedem Tag des Jahres rund um die Uhr, weil dies die Produktionskosten je Produkteinheit minimiert. Minimale Produktionskosten (bei gegebenen Einkaufskosten für Rohstoffe und Energie; Personal- und Kapitalkosten) sind die Voraussetzung und für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Produktion und die Bereitstellung preiswerter Grund- und Werkstoffe für die Herstellung von Investitions- und Konsumgütern in Deutschland.
Die Grundlast in Deutschland beträgt ca. 20 GW, was einer Stromerzeugung von 175 Mrd. kWh entspricht. Davon entfällt rund die Hälfte auf den kontinuierlichen Verbrauch der Grundstoffindustrien Baustoffe, Chemie, Glas, Metalle, Papier und Stahl.
Sie sind nicht auf die Frage eingegangen. Auch im Bereich der Industrie gibt es Verbräuche die aufschiebbar sind. Metallschmelzen können einige Stunden ohne Strom auskommen.
Haben Sie auch bedacht daß derzeit 10,5 GW Pumpspeicher nach den Erfordernissen des dt. Stromnetzes fahren und diese überwiegend nur nachts aufgeladen werden?
"ZukunftEE" (ich hatte mal einen Skatpartner, der nannte sich "Skatkönig, hat aber leider nicht so gespielt):
Woher haben Sie die 10,5 GW für Pumpspeicher? In Deutschland sind 7 GW installiert und die Speicher sind sicher auch nicht jeden Abend alle leer.
Also sehen Sie mal das Wort "Grundlast" nicht als Kampfbegriff der Industrie bzw. der Energiekonzerne an.
Es ist ja nett dass die Moderation Ihnen Ihre Skatstorys durchgehen läßt, bei mir ist sie da strenger und ich will auch nicht vom Thema ablenken.
Die 10,5 GW ist die aktuelle Leistung der Pumpspeicher die nach den Erfordernissen des deutschen Stromnetzes fahren. Die von Ihnen erwähnten 7GW sind die Pumpspeicher die nur in D stehen.
An ZunkunftEE, TEIL 2
Zum Vergleich Jahresdurchschnittspreise Lieferung folgendes Kalenderjahr Baseload EEX
2000: 1,9 ct/kWh / 19 €/MWh
2001: 2,3 ct/kWh / 23 €/MWh
2002: 2,4 ct/kWh / 24 €/MWh
2003: 2,8 ct/kWh / 28 €/MWh
2004: 3,4 ct/kWh / 34 €/MWh
2005: 4,1 ct/kWh / 41 €/MWh
2006: 5,5 ct/kWh / 55 €/MWh
2007: 5,6 ct/kWh / 56 €/MWh
2008: 7,0 ct/kWh / 70 €/MWh
2009: 4,9 ct/kWh / 49 €/MWh
2010: 5,0 ct/kWh / 50 €/MWh
2011: 5,5 ct/kWh / 55 €/MWh
Die wachsende Einspeisung erneuerbarer Energien hat einen preisdämpfenden Effekt auf dem Spotmarkt, d.h. für Stromlieferungen am folgenden Tag. Dieser Effekt dämpft auch die Preisnotierungen für die Lieferungen im folgenden Kalenderjahr, aber in geringerem Ausmaß, weil die Einspeisung von Wind und Sonne am heutigen Tag wenig über die Einspeisung im nächsten Kalenderjahr aussagt. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit schätzt den preisdämpfenden Effekt auf rund 0,5 ct/kWh (5 €/MWh). Das entspricht in etwa dem Preisanstieg auf dem Großhandelsmarkt seit der Abschaltung sieben deutscher Kernkraftwerke im März 2011. Aktuell gleichen sich also beide Effekte aus.
Da sieht man wieder die Vorteile von erneuerbaren Energien.
Preissteigerung bei Kohle, Gas, Uran werden auch weiter die Strompreise nicht nur variieren sondern auch weiter ansteigen lassen.
Erstaunlich, angesichts der Sorgen von GDB u. GDA, finde ich daß diese Verbände sich nicht eindeutig gegen die hohe Förderung bei Offshore Windstrom von bis zu 19 Ct/kwh aussprechen und das trotz derer guten Beziehungen zur jetzigen Regierung.
An ZukunftEE, TEIL 1
Prof. Weber hat die Großhandelspreise für Strom von 2008 bis 2011 bertachtet. Infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise waren in diesem Zeitraum die Preise für die Primärenergieträger Rohöl und Erdgas stark gefallen. In die gleiche Richtung haben sich auch die Strompreise bewegt. Blickt man auf die Entwicklung der Großhandelspreise für Strom seit dem Beginn der Strommarktliberalisierung 1998, so sind die Preise etwa bis 2000 gesunken und dann bis 2008 um ein Vielfaches gestiegen. Der aktuelle Preis für die Lieferung im kommenden Jahr beträgt knapp 6ct/kWh oder 60 €/MWh und liegt trotz des starken Rückgangs gegenüber 2008 etwa auf dem durchschnittlichen Preisniveau der Jahr 2006 und 2007.
Einen Vergleich der Jahresdurchschnittspreise Lieferung folgendes Kalenderjahr Baseload EEX finden Sie in TEIL 2.
Herr/Frau ZukunftEE,
ich hoffe, Herr Kneer läßt sich nicht herab, zu hinterfragen , was Grundlast ist.
Schon Ihre Fragestellung zeigt, daß Sie mal schnell unter Grundlast bei Wiki gegoogelt haben, dort was von Auffüllen von Pumpspeichern und Nachtspeicherheizungen lasen und nun doch nicht wissen, was Grundlast für die energieintensive Industrie bedeutet.
Es gibt die Fallfilm-Elektrolyse, es gibt - zumindest auf dem Papier - Poppsche- Speicherseen usw. Es gibt soviel, aber es muß technisch machbar, ökonomisch sinnvoll und natürlich auch politisch gewollt sein.
Eine Energiewende in dem nur der politische Wille - der in den letzten Jahren sogar noch der Chaostheorie unterlag (Bsp: Atomaustieg-Einstieg-Wiederausstieg) - zählt, wird scheitern!
Hallo "januar",
bitte achten Sie bei Ihren Beiträgen auf einen sachlichen und respektvollen Umgangston; auch, oder gerade, anderen Beteiligten gegenüber. Vielen Dank!
Moderation Schröter
Herr Kneer,
wie bewerten Sie die Wettbewerbsfähigkeit Ihrer Industrie vor dem Hintergrund, dass Kyoto international gestorben ist? USA noch nie dabei und CO2 Börse eingestellt und Kanada, Rußland und Japan sind offiziell ausgestiegen.
Mit den Herausforderungen der Energiewende müssen Klimaziele erneut angepasst werden an das, was realistisch möglich ist. Eine Insellösung in der Klimapolitik der EU oder Deutschlands wäre ökonomisch und ökologisch falsch.
Die industrielle Erzeugung von Grundstoffen ist von einem internationalen Kostenwettbewerb geprägt. Die metallischen Rohstoffe und die Energierohstoffe kosten weltweit in etwa das Gleiche. Daher sind für die Wettbewerbsfähigkeit vor allem Kosten bedeutsam, die sich regional unterscheiden, nämlich die Strom- und die Personalkosten sowie die Kosten für den Umweltschutz. Löhne und Gehälter haben bei der stromintensiven Grundstofferzeugung einen wesentlich geringeren Anteil als die Stromkosten. Zudem spiegeln sie die hohe Produktivität der Beschäftigten wider. Entscheidend ist letztendlich der Vergleich der Strom-, Gas- und Umweltkosten. Hier schneiden Europa und ganz besonders Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht ab.Der CO2-Emissionshandel ist auf absehbare Zeit eine Insellösung. Diese Kosten fallen in relevantem Ausmaß nur in Europa an. Aus diesem Grund unterstützen die energieintensiven Industrien voll und ganz die Position der Bundesregierung, die sich für einen vollen Ausgleich indirekter CO2-Kosten im Strompreis für energieintensive Industriebranchen einsetzt, bei denen eine Gefahr der Verlagerung aufgrund der CO2-Kosten besteht. Dies ist ausnahmslos für alle Grundstoffindustrien der Fall, deren Produkte weltweit gehandelt werden.
Sehr geehrter Herr Kneer,
Vielen Dank für Ihre Antwort! Jedem Deutschen sollte klar sein, dass unsere Industrie die Grunlage für unseren Wohlstand ist und den will wohl keiner aufs Spiel setzen.
Kyoto ist eindeutig am Ende und hier gibt es ein erstes Signal, dass dies auch in Deutschland wahrgenommen wird:
http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13572574/Die-Klimakanzlerin-loe...
Als "gelernter DDR Bürger" habe ich erstens keine Lust auf neue transformatorische Experimente und zweitens bin ich geschult zwischen den Zeilen zu lesen, auch in Ihrer Antwort. Ich hoffe , dass diese Fähigkeit in Zukunft nicht mehr gebraucht wird.
Die Industrie muß in Deutschland bleiben, nicht nur die energieintensive metallurgische Industrie.
Hallo Herr Kneer,
Danke für den ersten Beitrag hier im Expertenblog, der nicht auf Wunschdenken setzt, sondern am Boden der Realität bleibt. Man merkt eben, dass Sie in der Industrie arbeite, wo das Geld verdient werden muss.
Ich bin ja nicht unbedingt für Kernkraftwerke und finde Kohle und Gas besser.
Vor allem, wenn wir in Deutschland moderne Kraftwerke bauen und auch exportieren.
Trotzdem ist es doch wenn man an die "Klimaschädlichkeit" von CO2 glaubt, inkonsequent übereilt aus der Kernenergie auszusteigen, wenn dabei mehr CO2 erzeugt wird.
Die einzige Konsequenz die ich sehe, ist, dass Braunkohle gar keine Brückentechnologie ist, sondern uns lange Zeit die Grundlast sichern soll.
Ist das der Plan?
Ich denke wir werden bald eine Anti Kohle Bewegung haben.
Mit freundlichen Grüßen
Ohne ein striktes internationales Klimaregime, das sich derzeit nicht einmal am Horizont abzeichnet, ist der einseitige Verzicht auf fossile Brennstoffe kaum mehr als ein willkommenes Konjunkturprogramm für Industrieländer außerhalb der EU und Schwellenländer ohne Nutzen für die Umwelt. Wir dürfen die Schraube nicht überdrehen und müssen ausreichend Zeit für Innovationen einplanen.
Notwendig ist ein offener Wettbewerb der Ideen und Technologien. Die deutsche Gesellschaft hat sich entschieden, auf die Kernkraft zu verzichten. Daher müssen alle anderen Energiequellen genutzt, neue Techniken entwickelt werden. Es ist fraglich, ob die CO2-Emissionen sich, wie von der Bundesregierung angestrebt, senken lassen. Wichtiger scheint mir, die Energiewende ohne Wohlstandsverluste und als Technologieführer auf der Grundlage einer innovativen und international wettbewerbsfähigen Industrie zu schaffen.
Auf absehbare Zeit können wir auf die Stromerzeugung aus Kohle nicht verzichten. Wer die Energiewende wünscht und beschleunigt aus der Kernenergie aussteigt, muss mehr neue Kohlekraftwerke, Stromleitungen und -speicher akzeptieren. In einer hochmodernen Industriegesellschaft geht das eine nicht ohne das andere. Wie lang und wie breit die Kohlebrücke aussehen wird, werden wir erst in der Rückschau wissen können. Die Nachfrage nach preiswerter Energie ist groß; künstliche Preissteigerungen und Verzicht sind keine nachhaltige Lösung, da die ökonomische und soziale Dimension ausgeblendet werden.